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Der Vorteil unserer literarischen Fantasiereisen liegt vor allem darin, dass wir auch Orte bereisen können, die uns in der Realität verschlossen bleiben. So wollen wir heute die Insel San Nicolas bereisen, die äußerste der acht Kanalinseln rund 120 Kilometer südwestlich von Los Angeles. Sie ist 57,3 Quadratkilometer groß und dient heute der US-Flotte als Geheimbasis. Unbefugten ist der Zutritt selbstverständlich verboten. Die Insel wurde circa 2000 vor Christus von amerikanischen Ureinwohnern entdeckt, die sich dort ansiedelten. Im Jahr 1602 entdeckte der spanische Forscher Sebastian Vizcaino die Insel, als er auf der Suche nach einem Hafen, in dem die Schatzsegler von den Philippinen bei sehr stürmischem Wetter eine Zuflucht finden konnten, die kalifornische Küste entlang segelte. Er weihte die Insel dem Schutzpatronen der Seeleute und Reisenden und nannte sie „La Isla de San Nicolas“ – die Insel von San Nicolas.

Im Jahre 1835 brachte ein Kapitän namens Hubbard mit seinem Segelschoner die Indianer dieser Insel an Bord, um sie auf das Festland zu bringen, wo sie ein besseres und vor allem sicheres Leben erwartete. In dem Bericht des Kapitäns fand sich die Bemerkung, dass ein Indianer-Mädchen bei der Abfahrt von Bord sprang und zurück zur Insel schwamm. Achtzehn Jahre später findet Kapitän Nidever eben dieses Mädchen wieder, die ihm eine atemberaubende Geschichte erzählt. Da ihr kleiner Bruder bei der Rettung ihres Stammes vergessen wurde, sprang sie von Bord des Schiffes, um ihn zu suchen. Tragischerweise kam ihr kleiner Bruder aber ums Leben, da die wilden Hunde auf der Insel ihn zerfleischten. So lebte das Mädchen namens Karana jahrelang mutterseelenallein auf der kleinen Insel und ihr einziger Freund war ein Hund mit dem sie alleine in einer rohgezimmerten Hütte lebte. Ihr Grab befindet sich auf einem Hügel in der Nähe der Mission von Santa Barbara. Ihr Rock aus Kormoranfedern, den sie bei ihrer Entdeckung trug wurde nach Rom geschickt. Scott O’Dell hat die Geschichte des Indianer-Mädchen in dem wunderschönen Roman „Insel der blauen Delphine“ (ISBN: 3423072571) niedergeschrieben, das ich jedem wirklich ans Herz legen kann. Ich habe das Buch als Jugendliche gelesen und war tief berührt von der Geschichte. Und auch heute berührt sie mich noch, vor allem, wenn man bedenkt, dass der Roman auf einer wahren Begebenheit beruht. Könnt ihr Euch vorstellen, 18 Jahre lang auf einer einsamen Insel zu leben?

3 Responses to “Die Verschollene von San Nicolas”

  1. on 23 Apr 2009 at 21:58adel

    - ich habe vor 40 jahren das buch mit grosser begeisterung gelesen, es hatte mich sehr berührt, und tut es immer noch! heute liest es mein jüngster sohn bereits zum x-ten mal mit grosser faszination -

  2. on 14 Jun 2009 at 21:10Merlyn

    Als Bibliothekar ist mir das Buch schon seit geraumer Zeit ein Begriff, doch da ich das Buch erst kürzlich meinem Sohnemann vorlesen musste, habe ich selbst noch einmal darüber rezensiert. Ich muss sagen, das Werk gefällt nicht nur meinem Sohn - auch wenn es offensichtlich Parallelen zu Robinson Crusoe gibt.

  3. on 29 Mär 2010 at 22:08Gunda

    Das Buch habe ich heute beim Frühlingsputz in die Finger bekommen und konnte nicht mehr aufhören, es zu lesen. Berührend, spannend, lehrreich!
    Ich würde gerne mehr über diese junge Frau und auch über ihren Kormoran-Rock wissen. Ist sie wirklich noch im selben jahr ihrer Abreise gestorben?

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