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Copyright by Landesmedienzentrum BW

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Heute wollen wir eine literarische Reise unternehmen zu einem ganz bezaubernden Ort. Unser Weg führt uns an den Bodensee nach Meersburg. Hoch über der Stadt liegt inmitten eines Weinberges das kleine Fürstenhäusle. Es ist heute ein Museum, denn seine Besitzerin war keine geringere als Annette von Droste-Hülshoff. Ihr kennt sie sicher noch aus der Schule, denn diese fantastische Dichterin schrieb viele wunderbare Gedichte und auch die berühmte Novelle „Die Judenbuche“, die in der Schule gerne gelesen wird, stammt von ihr. Euch will nicht wirklich etwas zu dieser Frau einfallen? Ihr könnt Euch an kein einziges Gedicht von Annette von Droste-Hülshoff erinnern?

Dann werde ich Euch auf der Stelle eine zauberhafte Ballade von ihr vortragen:

Der Knabe im Moor:

O schaurig ist’s übers Moor zu geh’n,
Wenn es wimmelt vom Heiderauche,
Sich wie Phantome die Dünste dreh’n
Und die Ranke häkelt am Strauche,
Unter jedem Tritte ein Quellchen springt,
Wenn aus der Spalte es zischt und singt,
O schaurig ist’s übers Moor zu geh’n,
Wenn das Röhricht knistert im Hauche!

Fest hält die Fibel das zitternde Kind
Und rennt, als ob man es jage;
Hohl über die Fläche sauset der Wind -
Was raschelt drüben am Hage?
Das ist der gespenstische Gräberknecht,
Der dem Meister die besten Torfe verzecht;
Hu, hu, es bricht wie ein irres Rind!
Hinducket das Knäblein zage.

Vom Ufer starret Gestumpf hervor,
Unheimlich nicket die Föhre,
Der Knabe rennt, gespannt das Ohr,
Durch Riesenhalme wie Speere;
Und wie es rieselt und knittert darin!
Das ist die unselige Spinnerin,
Das ist die gebannte Spinnlenor’,
Die den Haspel dreht im Geröhre!

Voran, voran! nur immer im Lauf,
Voran, als woll’ es ihn holen;
Vor seinem Fuße brodelt es auf,
Es pfeift ihm unter den Sohlen
Wie eine gespenstige Melodei;
Das ist der Geigemann ungetreu,
Das ist der diebische Fiedler Knauf,
Der den Hochzeitheller gestohlen!

Da birst das Moor, ein Seufzer geht
Hervor aus der klaffenden Höhle;
Weh, weh, da ruft die verdammte Margret:
»Ho, ho, meine arme Seele!«
Der Knabe springt wie ein wundes Reh;
Wär’ nicht Schutzengel in seiner Näh’,
Seine bleichenden Knöchelchen fände spät
Ein Gräber im Moorgeschwehle.

Da mählich gründet der Boden sich,
Und drüben, neben der Weide,
Die Lampe flimmert so heimatlich,
Der Knabe steht an der Scheide.
Tief atmet er auf, zum Moor zurück
Noch immer wirft er den scheuen Blick:
Ja, im Geröhre war’s fürchterlich,
O schaurig war’s in der Heide!

Jetzt könnt Ihr Euch bestimmt erinnern, oder? Der „Knabe im Moor“ ist wirklich fantastisch! Nun wollen wir uns aber endlich das zauberhafte Fürstenhäusle ansehen! Annette erwarb das Häuschen, das am Rande von Meersburg liegt, am 17. November 1843. In einem Brief an ihre Freundin Elise Rüdiger schrieb sie: „Jetzt muss ich Ihnen auch sagen, dass ich seit acht Tagen eine GRANDIOSE Grundbesitzerin bin! Ich habe das blanke Fürstenhäuschen […] in einer Steigerung, nebst dem dazugehörendem Weinberge, erstanden“. Für 400 Reichstaler hatte sie sich das Haus und die Weinberge gekauft. Allerdings hat Annette hier nie wirklich gelebt, sie wohnte in Münster-Nienberge. Sie hat das Fürstenhäusle aber häufig besucht und hier die Abgeschiedenheit und die wundervolle Aussicht auf den Bodensee genossen. Und das wollen wir nun auch tun und laufen den Weg hinauf zu dem entzückenden, rotbraunen Haus mit der schneeweißen Terrassentür und dem grünen Efeu an der Häuserwand. Ist dies nicht ein bezaubernd schöner Ort? Doch nun müssen wir hinein ins Fürstenhaus – die Führung durch das kleine Museum beginnt in wenigen Minuten!

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